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Gründerin Julia Pütz hat dank Stipendium und intensiver IHK-Beratung ihr Produkt auf der Messe Medica vorstellen können. Foto: Olaf-Wull Nickel
Leben

Wie NRW Gründer mit Stipendien fördert

Wenn Gründer durchstarten wollen, haben sie in der Regel ein Problem: Sie brauchen Zeit, um die Geschäftsidee zu entwickeln. Das neue Gründerstipendium.NRW soll angehenden Gründern helfen, die Frühphase auch ohne Umsätze finanziell zu überstehen.

Text: Eli Hamacher

Not macht erfinderisch. Schon mit Anfang 20 hat sich Julia Pütz gleich zweimal am Knie operieren lassen müssen. Und bildet damit keine Ausnahme. „Viele junge Menschen haben bereits Probleme mit ihren Knien, leiden unter Bänderrissen oder Verrenkungen“, sagt die Wirtschaftsingenieurin. Grund sei häufig ein falscher Ablauf bei der Bewegung. Mit ihrem Start-up will die 27-Jährige gegensteuern. Pütz hat ein so genanntes Biofeedback-System entwickelt. Das legt der Patient mit einer Manschette um das Knie. Bewegt er sich falsch, übt das System Druck aus. Wie es richtig geht, das haben im Vorfeld Physiotherapeut oder Orthopäde mit ihm geübt. Erste Prototypen hat die Jungunternehmerin entwickelt, Anfang 2019 gründet sie ihr Start-up.

Wie für viele Gründer stellte sich auch für Pütz das Problem: Sie braucht Zeit, um Geschäftsidee und Produkt zu entwickeln, erzielt noch keine Umsätze und hat nur wenig Eigenkapital. Um die Finanzierung in der Frühphase zu erleichtern, hat das Land Nordrhein-Westfalen im Juli 2018 das Gründerstipendium.NRW gestartet. Gründer können bis zu ein Jahr lang 1.000 Euro monatlich erhalten, wenn sie zum Zeitpunkt der Antragstellung noch nicht gegründet haben oder ihre Gründung (Eintragung ins Gewerberegister oder Handelsregister) nicht länger als zwölf Monate zurückliegt.

Für die Bewerbung wenden sich Jungunternehmer an ein akkreditiertes Gründungsnetzwerk und seine Partner, zum Beispiel die IHK Köln. Zunächst erstellen sie ein aussagekräftiges Ideenpapier. Dieses beantwortet Fragen zur Idee, zu Markt und Innovationsgrad sowie zum Team. Jeder Interessent kann seine Geschäftsidee dann persönlich vor einer Jury aus dem Kölner Gründerökosystem präsentieren (IHK, Stadt Köln, Handwerkskammer, Uni etc.), es gibt also keine Vorauswahl. Empfiehlt die Jury das Vorhaben als förderwürdig, muss der Unternehmer den eigentlichen Antrag beim Projektträger Jülich stellen. Nach der Bewilligung beginnt der bis zu zwölf Monate dauernde Förderzeitraum.

Das Bewerbungsprocedere hat Julia Pütz als unkompliziert empfunden. Fünf Minuten hatte sie Zeit, um die Jury von ihrem Vorhaben zu überzeugen. Weitere fünf Minuten standen für Fragen und Antworten zur Verfügung. Nur zwei Tage nach der Sitzung bekam sie die Förderempfehlung und kurz darauf 1.000 Euro monatlich.

Die Unternehmerin profitiert jedoch nicht nur von dem Geld. Neben der finanziellen Förderung ist für jeden Stipendiaten die Begleitung durch einen kostenfreien Coach verpflichtend vorgesehen. Der Coach legt zusammen mit dem Gründerteam Meilensteine fest und überprüft den Fortschritt des Vorhabens.

„Sehr positiv ist, dass die IHK mich mit einem Coach begleitet, der mich schon auf viele gute Ideen gebracht und wertvolle Kontakte vermittelt hat“, sagt Pütz. Im Vorfeld der Fachmesse Medica in Düsseldorf etwa, auf der die Gründerin ihr Produkt Geschäftspartnern vorstellen wollte, habe die IHK Köln das Gespräch mit einem Patentanwalt organisiert. Die IHK beriet sie zudem beim Thema Gesellschaftsvertrag und Unternehmensform.

Die Chancen auf Erhalt eines Gründerstipendiums. NRW stehen gut. In den ersten Monaten bewarben sich zum Beispiel in und um Köln 108 Unternehmen. Bei jedem zweiten sprach die Jury eine Förderempfehlung aus.

Zu den Gewinnern zählt auch Pétur Müller, der mit Jasper Klimas und Timo Gerth das Portal „dynAmaze – Dein Freizeitbegleiter“ gegründet hat. Auf der Plattform will das Trio unternehmungslustige Kölner oder Touristen, die in die Stadt kommen, mit Anbietern diverser Freizeitaktivitäten zusammenbringen. Über einen Fragebogen findet dynAmaze heraus, in welche Richtung der Freizeitspaß gehen soll, dann filtert ein Algorithmus Vorschläge heraus. Für die Vermittlung zahlt der Anbieter eine Provision. Auch dynAmaze profitiert zudem von den durch die IHK vermittelten Kontakten, etwa zu Multiplikatoren aus Gastronomie und Tourismus.

Wie die IHK Köln Gründer unterstützt

Gründertag

Am 29. März 2019 findet in der IHK Köln der 35. Gründertag statt. Auf der Veranstaltung können sich Gründer bei 15 Fachvorträgen zu Themen wie Versicherungen, Steuern und Finanzierung informieren. Ergänzt wird das Angebot durch eine Fachmesse mit 35 Kölner Ausstellern, die an ihren Ständen über ihre Erfahrungen auf dem Weg in die Selbstständigkeit berichten oder ihre Dienstleistungen vorstellen. Die Teilnahme für Gründer ist kostenfrei. Zehn Start-ups können sich online noch bis zum 15. Februar 2019 um einen kostenfreien Messeplatz bewerben, Bewerbungen werden über die Facebook-Seite entgegengenommen.

Gründungskompass

Vierzehnmal pro Jahr lädt die IHK Köln Gründer zu einer kostenfreien Orientierungsveranstaltung ein. Beim Gründungskompass vermitteln Experten Wissen rund um Fördermöglichkeiten, Finanzierung, soziale Absicherung, steuerliche Grundlagen etc. Die nächsten Termine sind am 8. Februar 2019 und am 22. Februar 2019 (speziell für Start-ups) jeweils von 14 bis 18 Uhr in der IHK Köln. Eine Anmeldung ist erforderlich.

Angebote für Gastgewerbe und Gesundheitswirtschaft

Auf der diesjährigen Fachmesse Medica konnten ausgewählte Gesundheits-Start-ups vor Investoren ihre Ideen präsentieren und Gespräche über mögliche Beteiligungen führen. Unter dem Motto „Fresh Money for healthy Ideas“ wurden so spannende Kontakte vermittelt, um innovative Ideen zu finanzieren.

Für Unternehmen der Medizintechnik bietet die IHK Köln den Medizintechnikatlas an, der gemeinsam mit der IHK Bonn/Rhein-Sieg und dem Gesundheitsregion KölnBonn e.V. erstellt wird und nun in der 2. Auflage vorliegt. Die Firmen können sich mit ihrem Angebot präsentieren und sind so über das Internet, Messebeteiligungen und über das Netzwerk der Außenhandelskammern auf Zielmärkten präsent.

Über die Branchenportale der IHK Köln sind aktuelle und passgenaue Informationen für Unternehmen z.B. zum Thema Gründung im Gastgewerbe schnell auffindbar unter: www.ihk-koeln.de/gut

Die IHK Köln bietet Ihnen auch weitere Informationen über das Gründerstipendium.NRW.

In einem weiteren Beitrag auf der IHKplus unter dem Stichwort „Rundum-Sorglos-Pakete“ werden die Fördermöglichkeiten von Bund und Land für Messeauftritte erläutert.

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