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Bunt und abwechslungsreich: So präsentiert Balloni seine Ausbildungsangebote. Foto: Astrid Piethan
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Die digitale Suche nach Auszubildenden

Eine Stellenanzeige in der Tageszeitung aufgeben? Das reicht im Zeitalter der Digitalisierung nicht mehr aus, um Azubis zu finden. Unternehmen müssen die Generation Z anders ansprechen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Text: Patrick Schröder

Früher haben sich Jugendliche bei Unternehmen um Ausbildungsstellen beworben. „Heute hingegen müssen sich Betriebe bei den Teenagern bewerben“, erklärt Danuta Fuchs, Projektleiterin Ausbildung 4.0 bei der Gesellschaft für berufliche Förderung in der Wirtschaft e.V. (GBFW). Die klassische Stellenanzeige in der Zeitung erreiche allenfalls Eltern oder Großeltern. „Betriebe müssen sich beim Recruiting dem Digitalisierungs-Zeitalter anpassen und Jugendliche vor allem im Internet ansprechen. Dabei muss sich auch die Art der Formulierung ändern“, betont Fuchs. „Wirkungsvoll ist es beispielsweise, wenn die eigenen Azubis zu so genannten Influencern werden, zu Botschaftern der Firma, die in den sozialen Medien für die Ausbildung werben – mit Texten, Bildern und Videos.“

Kostenlose Workshops

Betriebe bei der digitalen Transformation von Recruiting und Ausbildung zu unterstützen, ist Ziel des 4.0-Projekts der GBFW. Fuchs und ihr Team bieten dafür kostenlose Veranstaltungen und Workshops an – gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Europäischen Sozialfonds. Betriebe lernen bei den Veranstaltungen nicht nur Strategien für ein zeitgemäßes Recruiting kennen. Sie erhalten auch Anregungen, wie sich die Ausbildung attraktiver gestalten lässt. „Einige Maschinenbauer nutzen beispielsweise Augmented-Reality-Brillen, um Jugendlichen das Schweißen beizubringen“, sagt Fuchs. Mit einer AR-Brille auf der Nase und einem brennerähnlichen Joystick in der Hand setzen die Azubis Schweißnähte. Dabei können sie sich vom Ausbilder die Technik in Ruhe erklären lassen – ohne Schutzanzug, der bislang die Kommunikation erschwert hat. „Betriebe schlagen dadurch zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie steigern den Lerneffekt und machen die Ausbildung für Jugendliche, die Digitalangebote seit ihrer Geburt kennen, um Längen attraktiver.“

Auch für smartworx ist Nachwuchssicherung ein wichtiges Thema. Der IT-Dienstleister aus Overath sieht sich dabei mit starkem Wettbewerb durch große IT-Firmen konfrontiert. „Die
Herausforderung ist es, Jugendliche für uns als kleines mittelständisches Unternehmen außerhalb der Großstadt zu begeistern“, erklärt Yvonne Thiesen, Wirtschaftspsychologin bei smartworx. Um sich Inspiration für diese Herausforderung zu holen, hat Thiesen am Workshop Azubi-Marketing 4.0 der GFBW teilgenommen. Dort gab es unter anderem die Empfehlung, eine Azubi-Website online zu stellen, die sich ausschließlich an Jugendliche der Generation Z richtet. Eine Website, die Unternehmensbotschaften kreativ mit aussagekräftigen Bildern und wenig Text transportiert. Das kommt dem Kommunikationsverhalten der Digital Natives entgegen.

Beim Thema „Digitalisierung in der Ausbildung“ braucht smartworx keine Unterstützung. Das Unternehmen zählt branchenbedingt zu den Pionieren. So ist beispielsweise e-Learning längst selbstverständlich. Dafür nutzt der Betrieb Online-Learning-Plattformen, auf denen sich Mitarbeiter Schulungen ansehen können – am Arbeitsplatz, unterwegs oder gemütlich zu Hause auf dem Sofa. Auch beim Bewerbungsprozess setzt smartworx auf digitale Unterstützung. Bewirbt sich ein Kandidat online auf eine Stellenanzeige, bietet sich die Möglichkeit, an einer kurzen Befragung zu Persönlichkeit und Fähigkeiten teilzunehmen.

Eigene Ausbildungsbotschafter

Der Kölner Eventveranstalter Balloni hat es ebenfalls zu spüren bekommen: Die Anforderungen des Recruitings haben sich geändert. „Wir haben auf Anzeigen in Zeitungen in den letzten zehn Jahren immer weniger Feedback bekommen. Somit ist es uns immer schwerer gefallen, geeignete Kandidaten zu finden“, erklärt Daniela Metzen, Ausbildungsleiterin bei Balloni. Das Unternehmen hat deswegen an einem Ausbildung-4.0-Workshop der GBFW teilgenommen und eine neue Strategie erarbeitet. Neu im Betrieb sind so genannte Ausbildungsbotschafter – Auszubildende, die in Schulen und in sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram für die Ausbildung werben. „Wir haben dank der Ausbildungsbotschafter viel mehr Gelegenheit, Schülern zu erklären, wie abwechslungsreich und spannend unsere Ausbildungen im Alltag tatsächlich sind.“

Balloni hat in den Workshops zudem Weichen für die Digitalisierung der Ausbildung gestellt. Zuvor galt die Regel: keine Smartphone-Nutzung während der Arbeitszeit. „Im Workshop haben wir dann erfahren, dass ein rigoroses Verbot nicht zielführend ist und die Jugendlichen die Geräte dann heimlich bedienen“, sagt Metzen. Sinnvoller sei es, sich zu öffnen, ein Verständnis für die Generation Z zu entwickeln und die Affinität zum Wohl des Unternehmens zu nutzen. Deswegen dürfen die Azubis mit den Smartphones die Online-Ausbildungsplattform der IHK bedienen, wo sie unter anderem ihr Berichtsheft schreiben. „Diese Maßnahme wirkt auf die Jugendlichen unheimlich motivierend. Sie fertigen die Berichte jetzt viel zuverlässiger.“

Info-Events zum Thema Ausbildung 4.0

Um Unternehmen bei der digitalen Transformation zu unterstützen, hat die IHK Köln die Initiative „Digital Cologne“ gegründet. Im ersten Quartal 2019 findet eine Veranstaltungsreihe zum Thema Ausbildung 4.0 statt. Unternehmen lernen, wie sie Recruiting-Strategien entwickeln, Videos drehen und die Ausbildung spannender gestalten.

Mehr Informationen finden Sie auf der Website von Ausbildung 4.0.

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